Valérie Inertie

teaching

la Rhönrad de Dr. Willi Schütz

Rhönrad Dreia Preussische Hochschule
Spandau Berlin (1927) source; Manuel
d’utilisation de la Rhönrad de Dr. Willi Schütz

la Rhönrad de Dr. Willi Schütz

Rhönrad Preussische Hochschule Spandau Berlin
(1927)Source; Manuel d’utilisation de la
Rhönrad de Dr. Willi Schütz

la Rhönrad de Dr. Willi Schütz

Rhönrad Globus Preussische Hochschule Spandau
Berlin (1927), source; Manuel d’utilisation de la
Rhönrad de Dr. Willi Schütz

Chronologie der Räder

Monowheel / Motorwheel
(Motorisiertes und 1869 patentiertes Einrad)

Verschiedene Typen motorisierter Einräder wurden zu dieser Zeit konzipiert. Das erste «Monowheel» - Patent wurde in Amerika von Bergner angemeldet. Es scheint, daß weitere Erfinder an der Konzeption dieses Rades beteiligt waren. Das motorisierte Einrad war 1927 ein Boom in Rom und 1932 ein Renner in Paris. Eine Rallye zwischen Mailand und Rom wurde organisiert und von David Cislaghi gewonnen. Die Teilnehmer der Rallye wollten herausfinden, ob das motorisierte Einrad stabiler und sicherer ist als das motorisierte Zweirad, das in seiner Konstruktion dem Rhönrad ähnelt.

Lewis W Harper of Minnesota 1892

Lewis W Harper of Minnesota 1892
Patent info courtesy of Stephen Ransom

Monowheel

Monowheel
photo from Motorcycling magazine edition (1927)

Scherzo Waltz
(Von Doris Humphrey 1923 geschaffene Choreographie)

Doris Humphrey ist auf dem Gebiet des Tanzes als Vorreiterin des Modernen Tanzes ihrer Zeit bekannt. Aufgewachsen in Chicago, schreibt sie sich 1917 an der Denishawn School in Los Angeles ein. Dort wird sie zur Choreographie mehrerer Stücke ermuntert. Sie kreiert u.a. «Scherzo Waltz», ein Stück, bei dem sie einen großen Ring verwendet. Das Interessante dabei ist, daß sie mit einer Technik arbeitet, die der Gewichtsverlagerung, den Möglichkeiten des Gleichgewichts und den Rythmen von Fall und Aufschwung nachgeht – denn dies sind die Grundtechniken der heutigen Roue-Cyr-Praxis.

Doris Humphrey performing Scherzo Waltz

Doris Humphrey performing "Scherzo Waltz" (1923)
Source; US Wheel Gymnastic Federation
Photo: Gracieuseté Evan Brown

Feminin hoop danse

Feminin hoop danse around 1935 Private Collection

Rhönrad
(Von Otto Feick, Deutschland, 1925 patentiertes Sportgerät)

Ebenfalls unter dem Namen «Deutsches Rad» bekannt, ist das Rhönrad ein Doppel-Rad, das in seinem Aufbau einem Hamsterrad in menschlicher Größe gleicht. Es wurde von dem aus der Rhön stammenden Otto Feick, Sohn eines Eisenschmieds und Eisenbahner, entwickelt. Als Inspirationsquelle diente Feick eine Kindheitserfahrung. In einer Art Tonne, ummantelt von Eisenringen, rollte er als kleiner Junge Abhänge hinunter. Otto Feick, der seine Erfindung des Rhönrads 1925 patentieren ließ, besaß ein Schmiede-Atelier, in dem er Räder herstellen konnte. Drei weitere Arten von Rädern entstehen: das «E-Rad», ein Doppel-Rad, bei dem der Abstand zwischen den beiden Rädern minimiert wurde, der «Dreia» für drei Personen und der «Globus» für fünf Personen. Auf lange Sicht hat jedoch nur das Rhönrad bestanden. Der Legende nach wurden in den folgenden Jahren 20.000 Räder produziert. Die Nachfrage war zumindest so groß, daß Otto Feick für die Herstellung mit einem Unterhändler zusammenarbeiten mußte. 1927 verfaßt Willi Schütz ein illustriertes und detailliertes Handbuch zur Terminologie und Praxis des Rhönrads. Im gleichen Jahr wird Otto Feick nach London eingeladen, um dort seine Erfindung vorzustellen. 1929 folgt eine Einladung nach New York.

Das Rhönrad gewinnt an Popularität. In Würzbug gründet Alfred Weimer einen Rhönrad-Verein, der zu einem der bekanntesten Trainingslager Deutschlands wird. Otto Feick bringt die Mitglieder des Sportvereins der Eisenindustrie, für die er arbeitet, mit den Mitgliedern des Würzburger Vereins zusammen, um die neue Sportart noch weiter voranzutreiben. Die passionierten Radsportler organisieren Turniere und gründen Trainingsstätten in mehreren deutschen Städten. Berlin wird zu einem bedeutenden Zentrum für den Rhönradsport. Der zehnte Geburtstag seiner Erfindung ist ein entscheidender Moment für die Entwicklung des Rhönrads – er wird im Wintergarten Variété 1935 in Berlin gefeiert. Im folgenden Jahr nehmen 120 Sportler der Disziplin an einer Rhönrad-Vorführung bei den Olympischen Spielen in Berlin teil. Zu diesem Zeitpunkt dient das Rad der sportlichen Praxis in Schulen und wird bei öffentlichen Veranstaltungen vorgeführt. Es wird außerdem zu Trainingszwecken beim Militär, der Marine, der Polizei, der Feuerwehr und im Flugverkehr eingesetzt. Piloten haben sich besonders für diese Art des Trainings interessiert, da sie hier Übungen fanden, die das Entwickeln bestimmter Fertigkeiten für ihren Beruf unterstützten. Sie mußten eine gewisse Geschicklichkeit erlangen und ihren räumlichen Orientierungssinn schulen, um Luftschiffe steuern zu können.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bricht die Weiterentwicklung dieser Sportart abrupt ab. Nach dem Krieg finden sich einige Liebhaber des Rhönrads wieder zusammen. Die DDR versucht im Wettstreit mit dem Westen, den Rhönrad-Sport wiederzubeleben. Die beschädtigten Räder werden repariert und das Training wird in Berlin und Würzburg langsam wieder aufgenommen. Es werden erneut Turniere organisiert und die Rhönraddisziplin sichert sich ihren Platz im Deutschen Turner-Bund. Die erste Meisterschaft wird 1960 in Hannover ausgetragen. Der im Jahr 1959 verstorbene Otto Feick konnte diese offizielle Anerkennung des Rhönradsports leider nicht mehr miterleben.

Der Rhönradsport wird bekannter und gewinnt sogar international an Notorität. Seine Popularität steigt besonders im Zuge der 1982 in der Schweiz und 1987 in Dänemark ausgetragenen Turnfestivals Gymnaestrada. 1990 wird erstmals in Deutschland die Europäische Meisterschaft im Rhönradsport ausgetragen und von der Internationalen Rhönradvereinigung, dem Vorläufer des aktuellen Internationalen Rhönradturn-Verbandes (IRV), ausgerichtet. Seitdem fanden ein paar Dutzend Weltmeisterschaften in verschiedenen Ländern statt. Rhönradauftritte im Variété / Zirkus erfolgten seit den 40er Jahren. Im Jahr 1966 tritt der Moskauer Staatszirkus mit einer Rhönradnummer in der BRD auf. Seit 1996 hat das Rhönrad durch seinen Auftritt in der Show «Quidam» des Cirque du Soleil erneut die Welt des Zirkus' betreten und wird nunmehr auch in Zirkusschulen unterrichtet. Athleten, Anhänger und Radsportbegeisterte feiern im Jahr 2000 den 75. Geburtstag des Rhönradsports in Hommgae an seinen Erfinder Otto Feick. Dr. Jörg Winkler, 13-facher DDR-Meister im Rhönradsport und heute Bewegungstherapeut, Trainer und Sammler, hat im bedeutenden Maße zur Dokumentation dieser Disziplin beigetragen.

Einreifen
(Von Albert von Rekowski um 1950 erfundenes Rad)

Abgeleitet vom Rhönrad ist der Einreifen ein einfaches Rad aus Stahl, das mit Halterungen für Hände und Füße versehen ist. Sein Bewegungsvokabular gleicht dem des Rhönrads: Gerade Rollen, große und kleine Spirale. Im Gegensatz zum heutigen Roue Cyr wurde die Bewegung des Waltz nicht praktiziert. Für den Einreifen wurde kein Patent angemeldet, aber die Titelseite der Zeitschrift «Die Woche im Bild» vom März 1951 schreibt Rekowski die Erfindung dieses Rades zu. Auch wenn diese Disziplin nicht den gleichen Bekanntheitsgrad wie das Rhönrad erlangte, bezeugen einige Fotos aus dem vergangenen Jahrhundert seine Existenz. Der Einreifen wurde erstmals bei der Rhönrad-Meisterschaft 1960 in Hannover gezeigt. Der Radsportliebhaber und passionierte Rhönrad-Historiker Jörg Winkler folgert, daß der Einreifen nach der Wende 1989 in Vergessenheit geraten ist.

Before the Second World War

Einreifen photo before the Second World
War_Source; Rhönrad Archiv Dr.Jörg Winkler

Adalbert von Rekowski

Adalbert von Rekowski_ Einreifen
(1951)_Source; Rhönrad Archiv Dr.Jörg
Winkler

cover of Die Woche im Bild

Einreifen in the cover of "Die Woche im Bild"
from Berliner Zeitung news_March (1951) avec
la notion du l’inventeur Rekowski_Source;
Rhönrad Archiv Dr.Jörg Winkler

Adalbert von Rekowski

Adalbert von Rekowski with the association
of Motor Mitte Magdeburg, Magdeburg (1952)
Source; Rhönrad Archiv Dr.Jörg Winkler

Jörg Winkler 13 times Rhönrad champion

Jörg Winkler 13 times Rhönrad champion in RDA_Einreifen presentation during the Rhönrad
Championship in Salzwedel (1989)_Source; Rhönrad Archiv Dr.Jörg Winkler

Norbert Dill in Einreifen Germany

Norbert Dill in Einreifen Germany (1960)_Sourse; US Wheel Gymnastic Federation

Norbert Dill in Einreifen Germany

Wilfried Schepelmann, Jürgen Lassig and Mario sun of Jörg Winkler_first
meeting after the fall of the wall (1990)_Wilfried Schepelmann made this Einrei-
fen with some effects lighting inside_Source; Rhönrad Archiv Dr.Jörg Wikler

Cyr Wheel Voucher
Mono Wheel
(Vom Roue Cyr und Rhönrad abgeleitete Sportdisziplin, die seit 2013 vom Internationalen Rhönradturn-Verband (IRV), Schweiz, als Mono Wheel bezeichnet wird)

Die Popularität des Roue Cyr hat die Rhönradanhänger dazu bewegt, sich wieder an den Einreifen von Albert von Rekowski zu erinnern. Ein Wettkampf im Roue Cyr wurde von der amerikanischen USA Wheel Gymnastics Federation im Zuge der Radsport-Weltmeisterschaft im Juli 2013 in Chicago abgehalten. Der Internationale Rhönradturn-Verband (IRV) hat die Initiative ergriffen, diese Disziplin Mono Wheel zu nennen. Die Wettkampfbestimmungen für das Mono Wheel gehen auf den Auftritt des Roue Cyr zurück, der im Juni 2011 in Arnsberg stattfand. Mehrere Artisten des Roue Cyr aus Kanada waren eingeladen, hieran teilzunehmen. Die Wettkampfbestimmungen für das Mono Wheel wurden übrigens in Zusammenarbeit mit einem Trainer aus Québec aufgestellt, der von Daniel Cyr beraten wurde und die von ihm produzierten Räder verwendet. Die Meinungen über diese neue Disziplin sind gespalten. Einige vertreten die Ansicht, daß eine künstlerische Disziplin sich frei ausdrücken und keiner Kodifizierung unterliegen sollte, um die Kreativität und künstlerische Weiterentwicklung zu schützen und zu garantieren. Andere wiederum meinen, daß die Popularität dieser Disziplin auf die Verdienste und Großzügigkeit von Daniel Cyr zurückgehen und daß das Roue Cyr dementsprechend seinen ursprünglichen Namen behalten sollte.

Unterschiedliche Epochen, die unsere Geschichte erzählen

Es ist interessant, sich die Epochen anzusehen, die die verschiedenen Erfindungen hervorgebracht haben: das Rhönrad von Otto Feick (1925), das Roue Cyr von Daniel Cyr (1998) und das Mono Wheel des IRV (2013). All diese Erfindungen entstanden zu unterschiedlichen Zeiten und bezeugen gleichermaßen einen Teil unserer Geschichte. Das Rhönrad hat den Zweiten Weltkrieg überlebt und konnte sich seinen Platz als sportliche Disziplin sichern. Was das Roue Cyr anbelangt, so hat sich dieses im Rahmen der Entwicklung der Bühnenkunst, durch das Aufblühen des Internet und durch die Youtube-Plattform popularisiert. Die Kreation des Mono Wheel als sportliche Disziplin konnte sich nicht ohne die Notwendigkeit der Darbietung und der Anerkennung etablieren, die für unsere Zeit so charakteristisch sind.

Wir sind noch immer dabei, Sachinformationen und visuelles Material zu sammeln, das diesen Artikel zukünftig bereichern könnte. Zögern Sie also nicht, uns zu kontaktieren, wenn Sie über Kenntnisse zum Thema verfügen. Wir interessieren uns besonders für den Tanz mit dem Rad von Doris Humphrey.

Bibliography

- Handbuch zum Rhönrad von Willi Schütz, Preussische Hochschule, Spandau, Berlin (1927)

- Das Neue Universum, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig, um 1930

- «Das Rhönrad dreht sich seit 75 Jahren» Autor: Manfred Zirkelbach, Universitätsbibliothek Marburg (2000)

- «Rhönrad oder doch Pfalzrad?» Autor: Hässel Gerd (2010)

- Dr. Jörg Winkler, Rhönrad Archiv, Einreifen photo collection

- The History of the Wheel Gymnastics, herausgegeben von der IRV (2013)

- Patente Archive Depatisnet Deutschland

- Douglas Self’s Museum and Retro Technology

- Spaarnestad Photo Archive